Anastasia Shevchenko mit Boris-Nemtsov-Preis 2019 geehrt

Anastasia Shevchenko erhielt den Boris-Nemtsov-Preis für ihren mutigen Einsatz für ein freies und demokratisches Russland


Am 12. Juni, dem „Tag Russlands“, wurden in Moskau bei Demonstrationen gegen die Inhaftierung des investigativen Journalisten Iwan Golunow über 400 Personen festgenommen. Am selben Tag verliehen die Boris Nemtsov Stiftung für die Freiheit und die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit den 4. Boris-Nemtsov-Preis an die russische Aktivistin Anastasia Shevchenko – für ihren mutigen Einsatz für ein freies und demokratisches Russland. Anastasia Shevchenko ist Mitarbeiterin der Organisation „Open Russia“ und steht seit Januar 2019 unter Hausarrest. Stellvertretend nahm ihre jüngste Tochter Vladislava Shevchenko den Preis aus den Händen von Zhanna Nemtsova, der Tochter Boris Nemtsovs und Gründerin der Boris-Nemtsov-Stiftung für die Freiheit, entgegen.

„Meine Mutter ist stark, aber sie braucht Unterstützung. Sie möchte, dass ihre Stimme weiter erklingt und noch lauter wird, damit noch mehr Menschen sie hören können. In den vergangenen fünf Monaten bin ich zu ihrer Stimme geworden.“ Seit Januar berichtet Vladislava Shevchenko über soziale Medien regelmäßig über die Realität des Hausarrests.

In seiner Laudatio würdigte Bijan Djir-Sarai MdB, außenpolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag, die Preisträgerin als „beispielhaft für eine Vielzahl an Menschen in Russland, die für ihre eigenen Rechte, aber auch für die Rechte anderer mit friedlichen Mitteln eintreten“.

Nehmen wir uns ein Beispiel an Boris Nemtsov und den heutigen Nominierten, die alle im Angesicht von Unrecht und Missständen nicht geschwiegen haben.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Die Verteidigung von Menschenrechten und Demokratie in Russland erfordert mit jedem Jahr mehr Mut. Immer öfter geraten Menschenrechtsverteidiger, Aktivisten, Journalisten und mutige Menschen wegen ihrer Arbeit und Ansichten in Gefahr. Auch 2019 wurden neue Gesetze verabschiedet, die willkürlich angewendet werden können und den Handlungsspielraum für politisches Engagement weiter einschränken. Mit dem Boris Nemtsov Preis werden seit 2016 mutige Individuen in ihrem Einsatz für ein freies, demokratisches Russland von der Boris Nemtsov Stiftung für die Freiheit mit Unterstützung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ausgezeichnet. Der Preis ist benannt nach dem ehemaligen russischen Oppositionellen Boris Nemtsov, der 2015 in Sichtweite des Kremls ermordet wurde. Der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt. Zu den bisherigen Preisträgern gehören die Aktivistin Nadezhda Mityushkina, der Bürgerrechtler Ildar Dadin und der Politiker Lew Schlossberg.

Kurzporträt Anastasia Shevchenko Shevchenko ist Aktivistin und Mitarbeiterin der Organisation „Open Russia“. Sie wurde im Januar 2019 unter Hausarrest gestellt und ist die erste Person, gegen die unter dem 2015 verabschiedeten „Unerwünschte-Organisationen-Gesetz“ ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu sechs Jahren Haft. Amnesty International bezeichnet das Verfahren gegen Shevchenko als „neues Niveau der Repression“ in Russland und stuft sie als politische Gefangene ein.