Jahrestage 2019


Jahrestage 2019

24.5.

70 Jahre Grundgesetz

Am 1. September 1948 trat der Parlamentarische Rat in Bonn zusammen, um das Grundgesetz für die drei Westzonen zu beraten und zu verabschieden. Nach mehr als acht Monaten kontroverser Diskussionen, vor allem über Machtverteilung zwischen Bund und Ländern, Wahlrecht und Finanzverfassung, verabschiedete der Parlamentarische Rat am 8. Mai 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Am 24. Mai 1949 trat es offiziell in Kraft.

70 Jahre Grundgesetz ist eine Erfolgsgeschichte. Doch der gesellschaftliche und technologische Wandel fordert auch eine sich ständig weiterentwickelnde Verfassungskultur. Gleichzeitig drückt sich der erstarkende Rechtspopulismus immer offener in Attacken auf unsere liberale Demokratie aus.  

Zum 14. Mal trafen sich Experten und Interessierte beim Karlsruher Verfassungsdialog, um über die Herausforderungen für die Verfassung zu diskutieren. Unter dem Titel „70 Jahre Grundgesetz – Bewährt sich unsere Verfassung im Stresstest“ wurden drei Foren zu den Themen Pressefreiheit, Wissenschaftsfreiheit und Meinungsfreiheit mit Experten veranstaltet. „Das Grundgesetz hat dazu beigetragen, dass die Bundesrepublik eine geglückte Demokratie geworden ist und der freiheitlichste Staat der Deutschen Geschichte geworden ist“, zog Prof. Dr. Jürgen Morlok, Kuratoriumsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, sein Fazit.

8.7.

100 Jahre Walter Scheel

Am 8. Juli 2019 wäre Walter Scheel 100 Jahre alt geworden. Zeit seines Lebens war er ein optimistischer Visionär und mutiger Gestalter. Die Positionierung der FDP als moderne Partei, die europäische Einigung und auch die Deutsche Einheit hat er mitgestaltet und vorbereitet. Anders als viele seiner Zeitgenossen war seine pro-europäische Haltung nicht allmählich – durch Einsicht oder Anpassung – gewachsen, sondern stand von Beginn seines politischen Wirkens an fest.  

Seine zahlreichen politischen Mandate und Ämter bilden Stationen einer außerordentlichen deutschen Politikerkarriere, die über drei Jahrzehnte vom Rat der Stadt Solingen bis in das höchste Amt der Bundesrepublik Deutschland führte. Als erster Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie als Außenminister prägte Walter Scheel maßgeblich die deutsche und europäische Nachkriegsordnung. Die von ihm mitinitiierte Entspannungspolitik zur DDR und den Ostblockstaaten legte den Grundstein für die spätere Deutsche Einheit.

Am 19. November 2019 verlieh die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die Walter-Scheel-Stiftung und der Freundeskreis Walter Scheel den 5. Walter-Scheel-Preis an Frau Dr. Auma Obama, Gründerin und Vorsitzende der „Auma Obama Foundation – Sauti Kuu“ in Kenia. Dr. Auma Obama ist ein weltweites Vorbild für nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit.

20.

7.

20.7.

75 Jahre Gedenken deutscher Widerstand

Am 20. Juli 2019 jährte sich zum 75. Mal das Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Hitler, ausgeführt bei einer Lagebesprechung im sogenannten Führerhauptquartier Wolfsschanze. Das Attentat scheiterte und damit auch der geplante Staatsstreich, die „Operation Walküre“. Die meisten der daran beteiligten Offiziere und viele Zivilisten, Frauen und Männer, bezahlten dies mit dem Leben. Es kam zu Schauprozessen und zu Sippenhaft.  

Wir fragten: Was bedeutet der Widerstand von gestern für unsere Gesellschaft heute? Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit veranstaltete in der „Woche des Widerstands“ vom 15. bis zum 20. Juli fünf Podiumsdiskussionen in deutschen Städten, zu denen Persönlichkeiten des militärischen und zivilen Widerstands einen besonderen Bezug hatten: Schwerin (16.7.), Stuttgart (17.7.) , Leipzig (18.7.), Magdeburg (19.7.) und München (20.7.).

Es ging dabei weniger um die historische Aufarbeitung im Detail als um die Bedeutung des Widerstands für heute, und zwar politisch, menschlich und moralisch. Dies ist umso wichtiger, weil in Deutschland die eine neue völkische Rechte versucht, das Erbe des Widerstands zu usurpieren und zu einem „Aufstand des Deutschtums“ umzudeuten.

24.

8.

24.8.

100. Todestag Friedrich Naumann

Am 24. August jährte sich zum hundertsten Mal der Todestag des Namenspatrons der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Aus diesem Anlass haben die Kirchhöfe in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit auf einer Gedenkveranstaltung an den großen Liberalen erinnert. Auf einem sachkundig besetzten Podium wurde darüber gesprochen, welche Bedeutung Friedrich Naumann heute noch hat und welche seiner Vorstellungen bis in die Gegenwart nachwirken.  

Für den liberalen Vordenker Friedrich Naumann stand fest: Eine starke Demokratie braucht mündige Bürger. Erst wenn der Einzelne am politischen Prozess teilnimmt und Verantwortung trägt, wenn er sich einmischt und seine Meinung vertritt, wächst und gedeiht eine liberale Gesellschaft. Die nach ihm benannte Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit setzt sich seit ihrer Gründung am 19. Mai 1958 durch Bundespräsident Theodor Heuss für die Werte der Freiheit, für Verantwortung, Rechtsstaatlichkeit und die Menschenrechte in Deutschland und in der Welt ein. Im Sinne des Begründers der liberalen Erwachsenenbildung setzt sich die Stiftung dafür ein, dass es auf der ganzen Welt mehr selbstbewusste, politisch aktive Bürger gibt – durch die internationale Stiftungsarbeit in über 60 Ländern, Studien- und Promotionsstipendien an Bewerber im In- und Ausland, politische Bildungsangebote, Events, Publikationen sowie historische Forschungsarbeit.

9.11.

30 Jahre

Mauerfall

Der Fall der Berliner Mauer vor genau 30 Jahren war ein großer Sieg der Freiheit. Das Glücksgefühl, das sich damit verband, ist bis heute unbeschreiblich. Es wurde von den meisten Menschen in Deutschland geteilt. Der Mauerfall war das Symbol für die Befreiung von der Diktatur des Sowjetsozialismus.

Wenige merkten allerdings, dass sich politisch damit auch eine Tragik der Freiheit anbahnte. Dies gilt zumindest für die Politik in Deutschland: Ab dem 9. November 1989 waren die Ostdeutschen nicht nur frei, sondern auch mobil - als natürlicher Teil der Freiheit. Jeder konnte seine Zukunft im Westen suchen. Vor allem für junge, gut ausgebildete Leistungsträger war die Versuchung groß, als deutsche Staatsbürger im Westen zu arbeiten - für gute Löhne in gesunden Unternehmen in einer intakten Konsumwelt.

Diese Verführung setzte die Politik unter enormen Druck. Sie musste eine Massenabwanderung verhindern, ohne mit Visazwang und Grenzkontrollen eine neue Mauer zu bauen. Ergebnis dieses Drucks waren Währungs- und Wirtschaftsunion plus politische Einheit ebenso wie teurer Aufbau Ost und zügige Privatisierung.

Der Jahrestag war für die liberale Stiftung mehr als ein Anlass, die Bedeutung der friedlichen Revolution für die heutige Politik zu diskutieren. 

5.

12.

5.12.

10. Todestag

Otto Graf Lambsdorff

Er sagte von sich selbst, er sei „ein Liberaler, und das voll und ganz“: Otto Graf Lambsdorff, dessen Todestag sich am 5. Dezember 2019 zum zehnten Mal jährte, war eine herausragende Persönlichkeit des politischen Liberalismus in Deutschland. Er war eine der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegspolitik. Ein ausgewiesener Politik-Fachmann und Fachmann in der Politik, dem – wie er in Reden gerne sagte – ein politischer Karriereweg „vom Kreißsaal über den Hörsaal in den Plenarsaal“ fremd war. Das schwierige Geschäft der Politik bewältigte er mit Gelassenheit und Disziplin. Er selbst stellte es in einem Gespräch 2006 wie folgt dar: „Wer sich für eine freiheitliche Gesellschaft und eine liberale Wirtschaftsordnung einsetzt, wird immer kämpfen müssen. An meiner Fröhlichkeit kann das aber nichts ändern.“

Otto Graf Lambsdorff war nicht nur Wirtschaftspolitiker, sondern liberaler „Überzeugungstäter“, der Freiheit ganzheitlich dachte, enges nationales Denken verabscheute und den Blick immer über Europa hinaus richtete. Er wusste als schwer verwundeter Kriegsteilnehmer, dass Deutschlands Zukunft liberal und weltoffen sein musste, damit unser Land wieder zu einem respektierten und erfolgreichen Glied der internationalen Gemeinschaft werden und nur so eines Tages die Freiheit der Menschen in ganz Deutschland gewonnen werden konnte. Die Geschichte hat ihm recht gegeben.

23.12.

Fundstück des Jahres

Dieses geschichtsträchtige Stück Stacheldraht (mit Echtheitszertifikat) nimmt heute einen besonderen Platz im Archiv des Liberalismus ein. Es stammt von der tschechoslowakisch-deutschen Grenze – am 23. Dezember 1989 durchtrennten die Außenminister beider Länder, Jiři Dienstbier und Hans-Dietrich Genscher, symbolisch den Drahtzaun am Grenzübergang in Rozvadov-Waidhaus mit einem Bolzenschneider und besiegelten den Fall des „Eisernen Vorhangs“ in Europa.

Bewegende Szenen spielten sich im Herbst 1989 ab: Als Hans-Dietrich Genscher am Abend des 30. September 1989 vom Balkon der Botschaft den über 5.000 dort ausharrenden DDR-Flüchtlingen die Ausreise verkündete, war der Jubel grenzenlos. Die Menschen suchten Freiheit und wollten über ihr Leben selbst bestimmen. Sie gingen dafür ein hohes Risiko ein, ließen alles zurück und waren im Ungewissen, ob der Aufbruch in eine offene Zukunft gelingen würde. Dieser Mut trug wesentlich zum Sturz des SED-Regimes bei. Ebenso wie die Opposition innerhalb der DDR: Die über Jahre aktiven Gruppen wuchsen zur großen Bürgerbewegung an, die SED-Partei- und Staatsführung zeigte sich reformunwillig und die Sowjetunion griff nicht ein – anders als noch beim Volksaufstand am 17. Juni 1953. Wenig später war die Mauer offen.

Weiterführende Links

70 Jahre Grundgesetz

Lesen Sie hier den vollständigen Veranstaltungsbericht zum 14. Karlsruher Verfassungsdialog:

100 Jahre Walter Scheel

Erfahren Sie mehr über die Preisträgerin Dr. Auma Obama im Veranstaltungsbericht:

Zum 100. Geburtstag von Walter Scheel erinnern wir mit einer Publikation:

Lesen Sie hier die Rede von Dr. Joachim Stamp zur Festveranstaltung anlässlich des 100. Geburtstages Walter Scheels im Landtag Nordrhein-Westfalens:

75 Jahre Gedenken deutscher Widerstand

Das Archiv des Liberalismus erinnert an zwei Widerstandskreise:

Lesen Sie hier den ungekürzten Veranstaltungsbericht:

100. Todestag Friedrich Naumann

Fokusseite Friedrich Naumann:

Gedenkveranstaltung "Die schöpferische Kraft der Freiheit auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof ":

Zum 100. Todestag von Friedrich Naumann erschien die Publikation "Friedrich Naumann - Ein Leben für die Freiheit":

30 Jahre Mauerfall

Lesen Sie hier den Bericht zur Festveranstaltung in Leipzig:

Gedanken von Karl-Heinz Paqué zum Mauerfall:

Publikation "Freiheit! -30 Jahre Friedliche Revolution":

10. Todestag Otto Graf Lambsdorff

Lesen Sie hier den ungekürzten Beitrag:

Publikation "Otto Graf Lambsdorff - Der Freiheit verpflichtet":