Die Angriffe auf LGBTI-Rechte


Diskriminierungserfahrungen sind Alltag im Leben von Lesben, Schwulen oder Transgendern. Wir sprachen mit Ralf Gion Fröhlich, stellvertretender Bundesvorsitzender von LiSL (Liberale Schwule und Lesben) und Vorsitzender der europäischen Dachorganisation LGBTI Liberals of Europe, über sein Engagement gegen Intoleranz und Diskriminierung. #ClapForCrap: Ralf, du engagierst dich für Rechte von Schwulen, Lesben, Transpersonen und Intersexuellen. Ist das denn in Deutschland überhaupt noch ein wichtiges Thema, jetzt, wo die Ehe für alle in Deutschland gesetzlich erlaubt ist? Ralf Gion Fröhlich: Es wäre schön, wenn es kein wichtiges Thema mehr wäre. Aber leider ist das nicht der Fall. Denn noch immer sind Diskriminierungserfahrungen Alltag, auch durch den Staat. Etwa wenn es um das Thema künstliche Befruchtung für lesbische Frauen oder die Gleichstellung und Absicherung von Kindern in Regenbogenfamilien geht. #ClapForCrap: Man hat das Gefühl, dass es trotz allem schon wieder gesellschaftliche Rückschritte gibt, was die Rechte von Schwulen und Lesben betrifft, vor allem international. Woher kommt das? Ralf Gion Fröhlich: Wenn man analysiert, wer in Ländern wie Kroatien, Rumänien, Polen, aber auch Irland, federführend gegen LGBTI-Rechte auftritt, trifft man übrigens immer wieder auf dieselben drei Protagonisten. Da ist zunächst immer noch die katholische Kirche, und zwar nicht mit einzelnen konservativen Würdenträgern, sondern als Institution. Sie bleibt stur dabei, die Ehe für alle als Gefahr für die Gesellschaft zu beschreiben. Da ist Russland, das nicht nur mit seinem eigenen „Propagandagesetz“ massiv gegen die queere Community im eigenen Land vorgeht, sondern auch versucht, im Ausland Einfluss zu nehmen. Unterstützung findet Russland dabei in den jeweiligen nationalistischen Bewegungen wie dem Front National in Frankreich oder der AfD in Deutschland.

Keine Frage, es bleibt viel zu tun. Aber immerhin haben wir hier einiges, das sich zu verteidigen lohnt.

#ClapForCrap: Wie groß ist denn heute noch der gesellschaftliche Druck? Ralf Gion Fröhlich: Es kommt stark darauf an, in welchem Umfeld man sich bewegt. In den Großstädten begegnet einem wenig Diskriminierung. Da kommen ganz selbstverständlich 80 Leute zu unserem Gay-Daddy-Stammtisch. In konservativeren Milieus ist allerdings schon das Outing ein großer Schritt, weil man nicht sicher sein kann, dass die Familie aufgeschlossen reagiert. Bis heute liegen die Selbstmordraten bei jungen LGBTI-Personen weit über dem Durchschnitt. Und es ist nicht unüblich, dass Jugendliche aus konservativen oder religiösen Familien einfach auf der Straße landen, wenn sie sich ihren Eltern anvertrauen. #ClapForCrap: Das hört sich alles gruselig an. Denkt man da nicht ab und an einmal darüber nach, auszuwandern? Ralf Gion Fröhlich: Nein, denn dann hätten die Gegner der Gleichbehandlung gewonnen. Aber davon abgesehen sollte man nicht verkennen, was gerade in Europa in den letzten Jahren und Jahrzehnten erreicht wurde. Für LGBTI-Personen auf der ganzen Welt, die zum größten Teil leider noch in einer LGBTI-Hölle leben, ist die EU ein Sehnsuchtsort – das sollte man nie vergessen. Und mich macht es besonders stolz, wenn ich sehe, dass die EU in Wirtschaftsverhandlungen etwa mit Georgien auch Mindeststandards für den Umgang mit LGBTI zum Thema macht. Keine Frage, es bleibt viel zu tun. Aber immerhin haben wir hier einiges, das sich zu verteidigen lohnt.