Haben Dinosaurier eine Staatsangehörigkeit?


Seit 2016 unterstützt die Stiftung die weltweite Arbeit ihrer Projektbüros im Journalismus- und Medienbereich durch ein eigenständiges Programm in Deutschland. Der Internationale Journalisten- und Mediendialog (IJMD) schafft eine Plattform für Medienschaffende, ihre Verbände sowie für Politik- und NGOs, um miteinander und voneinander zu lernen. Im Rahmen von Studienprogrammen werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitergebildet, um unabhängigen Journalismus in ihren Heimatländern zu fördern. Der globale Austausch über Medienfreiheit und aktuelle Herausforderungen des Journalismus wird in Fachgesprächen und Konferenzen betrieben. Erstmalig nahm im September 2019 eine Delegation aus Kenia und Tansania an einem Besuchsprogramm teil. Auf dem Programm standen Besuche in Redaktionen und der Bundespressekonferenz sowie Workshops zur journalistischen Arbeit unter erschwerten politischen Bedingungen, zur Berichterstattung über Wahlen und zur journalistischen Selbstorganisation. Dass die Organisation eines solchen Programms aber nie zur Routine wird, zeigte der Wunsch nach einem Gespräch über die Expeditionen am Tendaguru-Hügel im heutigen Tansania (damals Deutsch-Ostafrika). Dort wurde das weltweit größte Saurierskelett ausgegraben. Der Brachiosaurus ist heute das Prunkstück des Berliner Naturkundemuseums. Ob das Skelett zurückgegeben werden soll, ist Bestandteil einer in Tansania – teils emotional, teils aber auch populistisch – geführten Debatte über die Kolonialgeschichte. Sind die Saurier nicht in erster Linie als Schaustücke bedeutsam und könnten sie vielleicht durch täuschend ähnliche Repliken ersetzt werden? Gibt es nicht einen Unterschied zwischen Naturkunde und Kulturobjekten, und können Dinosaurier, die vor 60 Millionen Jahren ausstarben, behandelt werden wie eine Maske oder ein Thron, die einer Epoche oder Ethnie zugeordnet werden können? Diesen und weiteren Fragen stellte sich Museumsdirektor Prof. Johannes Vogel, der zugleich einen Einblick in den wissenschaftlichen Forschungsbetrieb des Naturkundemuseums gab. Ein Vorschlag des Direktors: Das Naturkundemuseum könne seine Expertise zur Verfügung stellen, um gemeinsam mit den afrikanischen Kollegen nach weiteren Dinosauriern zu graben, die dann im Land blieben. Die Tansanier bekämen dann nicht bloß ein totes Objekt. Sie bekämen Wissen über Grundlagen und Strukturen für weiterführende Forschungen. Auf diesem Weg, so Vogel, würden sich die ehemaligen Kolonialherren wirklich der Verantwortung stellen. Die Diskussion über deutschen Kolonialismus ist noch lange nicht abgeschlossen. Der Austausch in Berlin wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zurück in der Heimat genutzt, um die Debatte in Artikeln und Kommentaren weiterzuführen. Und mal wieder haben wir gelernt, wie wichtig der Perspektivwechsel für den globalen Austausch ist.