Manifest ohne Grenzen


Manifest ohne Grenzen


Weltweit befinden sich 70 Millionen Menschen auf der Flucht. Ihren Schicksalen widmet Ai Weiwei nun ein „Manifest ohne Grenzen“. Sein Buch stellte der Künstler im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung mit dem früheren Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning, am 5. November 2019 in Berlin vor. Bevor Ai Weiwei 2015 aus China ausreisen durfte, hatte sich der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle für seine Freilassung eingesetzt. Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, erinnerte bei seiner Eröffnungsrede daran, dass Ai Weiwei als Künstler zu einer Figur der Freiheit geworden sei, der wie kaum ein anderer für die offene Gesellschaft stehe.

Das Interesse an Ai Weiwei war groß. Mit seiner Kunst kritisiert er regelmäßig Verstöße gegen die Menschenrechte

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Seit frühster Kindheit war Ai Weiwei mit dem Thema Flucht konfrontiert. Als Sohn eines chinesischen Dissidenten wuchs er im Exil auf, lebte später in New York, kehrte nach China zurück, wurde dann festgenommen und an der Ausreise gehindert. In seinem Buch, das im Kursbuch Verlag erschienen ist, stehen die Fragen von Menschlichkeit und Flucht im Mittelpunkt. Das Gefühl, die Heimat zu verlieren und zu verlassen, prägte in den letzten Jahren auch immer wieder Ai Weiweis Kunst. Er selbst habe das Thema Flüchtlinge nicht gewählt. Regierungen und Umstände machten Menschen zu Flüchtlingen, so Ai Weiwei. Im Rückblick auf die politische Entwicklung, die China die letzten Jahre genommen habe, resümierte er fast lakonisch: „Die politische Situation in China hat sich nie geändert.“ Angesprochen auf das eigene politische Verständnis, stellte Ai Weiwei klar, dass nicht er der Dissident sei, sondern China eine „Dissidenten­regierung“ habe. Als Künstler sieht er seine Aufgabe darin, eine Sprache für seine Erfahrungen und Gedanken zu finden, um den Prozess sichtbar zu machen, der zu einem tiefen humanitären Engagement von uns allen führt. Markus Löning kritisierte auch die politische Elite. Zu oft stünden die Risiken einer globalisierten Welt im Vordergrund, statt deren Chancen, und zu oft sei der eigene Blick auf den eigenen Wahlkreis verengt.