/ 14. Berliner Rede zur Freiheit mit Ahmad Mansour


Klare Bekenntnisse, pragmatisches Handeln und humanistische Grundsätze müssen die Leitplanken der Inte-grationspolitik sein. Offen wie kaum ein anderer thematisiert Ahmad Mansour die Herausforderungen, vor denen Deutschland als Einwanderungsland steht. Auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hielt der Psychologe und Extremismus-Experte die 14. Berliner Rede zur Freiheit am Brandenburger Tor, traditionell im Allianz Forum, aber aufgrund der Corona-Pandemie als Live-Stream ohne Publikum. Die „Jahrhundertaufgabe“ Integration sei nur zu bewältigen, wenn die Werte der offenen Gesellschaft von allen konsequent gelebt und verteidigt werden. Mansour sprach über die Wichtigkeit gelebter Integration und warb für eine liberale Demokratie, in der Toleranz gelebt wird – und für eine Streitkultur, in der verschiedenste Meinungen einen Platz haben. Im Anschluss an die Rede diskutierte der Gastredner mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann Stiftung, und dem innenpolitischen Sprecher der FDP im Deutschen Bundestag, Konstantin Kuhle MdB.

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/ Auszug aus der Rede

„In einem Land zu sein, wo man sich nicht einmischen kann, wo man die Sprache nicht beherrscht. Das sind sehr schwierige Erfahrungen gewesen. Und ich befand mich in einer Parallelgesellschaft. Wieder mal. Nicht, weil ich das wollte, sondern weil ich keine andere Alternative gehabt habe. Ich war neugierig, die Mehrheitsgesellschaft kennen zu lernen, aber ich fand den Zugang zu dieser Mehrheitsgesellschaft nicht. Umso stolzer bin ich heute, hier stehen zu dürfen, in einer Reihe mit unfassbaren Menschen, die diese Rede halten durften, zu sein. Und ich hoffe, dass ich dieser Liste auch würdig bin. Das ist für mich ein Punkt, dass ich sagen kann, ich bin angekommen … Ich bin angekommen, um diese Gesellschaft mitzugestalten. Für mich, für meine Tochter, für meine Familie, für mein Team, für die Menschen, mit denen ich zu tun habe, die ich begleite, denen ich begegne, eine bessere Zukunft zu schaffen. Jenseits von Unfreiheiten. Jenseits von Unsicherheiten und jenseits von Spaltungen. Ja, es sieht heute vielleicht etwas extremer aus als vor 15 Jahren, als ich nach Deutschland kam, aber das ist eine Phase. Und ich zähle auf alle Demokraten, auf alle Menschen, die in der Mitte der Gesellschaft stehen, dass sie der Aufgabe gewachsen sind, diese Gesellschaft wieder zu einer Gemeinschaft zu machen.

Zu einer Wertegesellschaft zu machen, die ein Wir-Gefühl macht, die Menschen nicht ausschließt, sondern Menschen dazu einlädt, Teil von etwas zu sein … Das, was zählt, und da rede ich von meiner eigenen Biografie, ist, emotional anzukommen. Ich kenne viele Menschen, die physisch in Deutschland sind, aber emotional noch nicht angekommen. Warum? Weil zur Integration mehr gehört als Sprache plus Arbeit minus Kriminalität. Zur Integration gehört, die Werte dieser Gesellschaft als Chance zu sehen, zu verinnerlichen, zu verstehen.Die Trennlinie muss nicht zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und ohne stehen, sondern zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten. Eine Trennlinie, die uns als ein ‚Wir‘ wieder vereint und eine Gesellschaft schafft, die ganz genau weiß, was sie von den Menschen erwartet, die hier leben wollen, und wie sie diese Menschen auch einladen kann, ein Teil zu sein. Und dafür brauchen wir ein gesamtgesellschaftliches Konzept. Ja, Integration ist eine Bringschuld.“

// Durch Zuhören, durch Zuwendung brechen vermeintlich unüberbrückbare Gegensätze Grenzen und Fronten auf und gelegentlich brechen sie auch zusammen. Das ist ermutigend. Die offene Gesellschaft ist dabei Ihr Ziel, und zwar über den Weg des offenen Gesprächs.