/ Die Wahrheit im Würgegriff der Verschwörungsmythen


Gesellschaftliche Bedrohung und Nährboden für Antisemitismus und Rechtsextremismus

Die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen bietet derzeit Extremistinnen und Extremisten jeder Couleur den Nährboden zur Verbreitung ihrer demokratiefeindlichen Ideologien. Selbst die absurdesten Verschwörungsmythen haben momentan regelrecht Hochkonjunktur. Auch wenn sie jeder Faktenbasis entbehren, sind sie dennoch geeignet, größere Bevölkerungskreise mit einer grundlegenden Unzufriedenheit gegenüber dem Rechtsstaat zu infizieren. Neu ist, dass sich bislang voneinander losgelöste Mythen und Gruppen zu einem großen Narrativ verbünden. Die Bandbreite der Propaganda reicht von Schuldzuweisungen an bestimmte Gruppen, wie Migrantinnen und Migranten oder Jüdinnen und Juden, bis hin zu einer angeblichen Weltregierung, Stichwort: QAnon. Und auf den Plattformen rechter sozialer Netzwerke fallen alle Hemmungen des Sagbaren – hier echauffiert man sich gemeinsam in der eigenen Echokammer über die sogenannte Corona-Diktatur und warnt vor den Gefahren der Entrechtung des deutschen Volkes und vor Massenmigration.

Die Veranstaltung analysierte, was genau Verschwörungsmythen sind, wer ihnen angehört und warum sie derzeit so populär sind. Als Vertreter der Politik diskutierte Matthias Fischbach MdL, FDP-Landtagsfraktion von Bayern, mit der Journalistin und Fakten-Checkerin Karoline Schwarz sowie dem Philosophen Dr. Jan Skudlarek über die „Verschwörung gegen das Volk“ und entmystifizierten mit Fakten und Vernunft, was die derzeitigen Verschwörungsmythen und ihre Anhänger in erster Linie sind: eine Gefahr für die Demokratie und unseren Rechtsstaat.

/ Hass. Macht. Gewalt.

Veranstaltungsreihe mit Ex-Neoazi und Rotlicht-Rocker Philip Schlaffer zu Extremismusprävention

„Hass. Macht. Gewalt.“ – unter diesem Buchtitel packte der Ex-Neoazi und Rotlicht-Rocker Philip Schlaffer über sein früheres Leben aus. In seiner Jugend fand Philip Schlaffer, geboren 1978, weder in der Schule noch in der eigenen Familie Halt, rutschte in die gewalttätige Neonazi-Szene ab und bekam dort das Gefühl, endlich dazuzugehören. Dies führte zu einer schnellen Radikalisierung im Zeichen von Ausländerhass, Nationalismus und blinder Verehrung des „Dritten Reichs“. Er gründete später die rechtsradikale „Kameradschaft Werwölfe Wismar“, vertrieb Rechtsrock im Internet und sein Alltag war zunehmend von Alkohol, Gewalt gegen „Fremde“ und Auseinandersetzungen mit der Polizei geprägt. Philip Schlaffer wurde Anführer des berüchtigten Rockerclubs „Schwarze Schar Wismar“, der Drogenhandel und Wohnungsprostitution betrieb. Er stand immer wieder vor Gericht, zudem versuchte der Verfassungsschutz, ihn als V-Mann anzuwerben. Schließlich schaffte Schlaffer im Gefängnis den Ausstieg aus Kriminalität und Extremismus und beschloss, sein altes Leben hinter sich zu lassen. Mit seinem Verein „Extremislos“ setzt sich Philip Schlaffer heute aktiv gegen Rassismus und für Demokratie und Toleranz ein.

Im September hat er in Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Publizisten Christoph Giesa bei zwei Abend- und zwei Schulveranstaltungen schonungslos ehrlich über sein Leben gesprochen und mit dem Vorsitzenden der Fraktion der FDP im Landtag Baden-Württemberg, Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL sowie mit Schülerinnen und Schülern über die Gefahren, die von rechtspopulistischen und rechtsextremen Ansichten ausgehen, diskutiert. Dabei hielt er fest:

// Ich habe die Gesellschaft abgelehnt, weil sie mich abgelehnt hat.

Er berichtete über erfahrene Ausgrenzung und fehlende Anerkennung, Gruppendynamik, das Gefühl der Einsamkeit nach dem Ausstieg und die Sorgen, wer einem nach einer solchen Vergangenheit die Hand reicht. Heute sei er wieder gerne Demokrat und fühle sich freier in seinem Denken als zuvor, so Schlaffer.